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Aus Katzensicht

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Aus Katzensicht ...

In einigen Situationen kann es ausgesprochen hilfreich sein, sich einmal in die Katze hineinzuversetzen und zu versuchen, die Welt durch ihre Augen zu betrachten. Das gilt besonders bei Verhaltensstörungen. Katzen reagieren manchmal auf nach menschlichem Ermessen unbedeutende Veränderungen mit drastischen Maßnahmen. Wenn Sie Ihrer Katze helfen wollen, sollten Sie das Experiment wagen, die Situation aus Katzensicht zu betrachten.

Fangen Sie vielleicht damit an, dass Sie sich auf den Boden legen und die Wohnung aus Katzenperspektive betrachten. Erst jetzt wird klar, wie groß und bedrohlich manches auf die kleine Katze wirken mag, zum Beipsiel ein Mensch ...

Katzen haben ein erstaunliches Talent, sich an ihre Umgebung anzupassen und selbst Dinge hinzunehmen, die nicht ihrem Naturell entsprechen, etwa permanente akustische Berieselung aus dem Radio oder die für die empfindliche Katzennase aufdringlichen Düfte eines Raum-Deos. Auch hektische Unruhe entspricht keinesfalls der Katzennatur, und so werden laute, polterige Menschen oder lebhafte Kinder von Katzen häufig als unangenehm empfunden. Ist eine Katze jedoch all dies von klein auf gewöhnt, so schafft sie es, diese Dinge weitestgehend zu tolerieren - anderenfalls wird sie nach Wegen suchen, solch unangenehmen Empfindungen aus dem Weg zu gehen.

Auch auf Veränderungen der gewohnten Umgebung reagieren viele Katzen empfindlich; von Depression über Unsauberkeit bis hin zur Aggression kann als mögliche Folge alles vertreten sein. Die Katze ist ein eher territoriales Lebewesen und liebt noch dazu geregelte Abläufe. Daraus gewinnt die Katze ihre Sicherheit und mag Veränderungen daher nicht allzu sehr. Im freien Leben stellt die Unberechenbarkeit der Beute gerade genug Abwechslung dar; darüber hinaus hat sie ihre Tagesabbläufe gerne routiniert und geordnet.

Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, dürfte das Gefühlsleben der Katze dem des Menschen ziemlich ähnlich sein. Übereinstimmungen im limbischem System weisen darauf hin. Von daher ist es nicht schwierig, die Emotionen unserer samtpfötigen Freunde nachzuvollziehen. Sie empfinden Freude, Trauer, Eifersucht, Angst, vielleicht sogar Hass ... alles nachvollziehbare Gemütsregungen. Etwas schwieriger kann es da schon sein, den Auslöser für eben diese Stimmungslage zu finden. Da hilft dann nur eine gute Beobachtungsgabe und viel Einfühlungsvermögen - eben die Katzenperspektive.

Um Ihnen den Einstieg zu erleichtern, möchte ich im folgenden kurz auf die Sinneswahrnehmungen der Katze eingehen, die sich zum Teil sehr von denen des Menschen untescheiden:


Akustische Wahrnehmung

Katzen hören wesentlich besser als Menschen oder sogar als Hunde. Im niedrigen Frequenzbereich hören Menschen ein klein wenig besser als Katzen, was bedeutet, dass sehr tiefe Töne, die der Mensch gerade noch so wahrnimmt, von der Katze nicht mehr gehört werden. Im hohen Frequenzbereich sieht es jedoch ganz anders aus. Hohe Töne, nahezu schon im Ultraschallbereich, sind fürs kätzische Ohr noch wahrnehmbar. Der Hörbereich der Katze umfasst mehr als 10 Oktaven, und Katzen sind in der Lage, Töne zu unterscheiden, die sich nur durch einen Zehntelton voneinander unterscheiden. Hatten Sie schon einmal den Eindruck, eine Katze sei in der Lage, das Motorengeräusch des Autos ihres Menschen zu erkennen? - Ganz sicher, sie kann's!!

Katzen hören jedoch nicht nur höhere Frequenzen, nein, sie nehmen Töne auch um ein vielfaches lauter wahr als Menschen. Mit Hilfe ihrer großen, unabhängig voneinander beweglichen Ohren sind sie in der Lage, auch die leisesten Töne wahrzunehmen, wie etwa trippelnde Mäusepfoten aus mehreren Metern Entfernung. Wenn man dies bedenkt, ist es leicht nachzuvollziehen, weswegen sich viele Katzen in die hinterste Ecke der Wohnung verkriechen, wenn der Staubsauger hervorgeholt wird, oder dass zu laute Musik oder Geschrei Angst hervorrufen kann. Wie gesagt, Katzen, die mit solchen Geräuschquellen aufwachsen, bringen ihnen in der Regel ein erstaunliches Maß an Toleranz entgegen, aber wenn man feststellt, dass die Katze bei hitzigen Diskussionen oder lauter Rockmusik den Raum verlässt, sollte man sein Tun der Katze zuliebe vielleicht noch mal überdenken.

Übrigens, wenn eine Katze aufgrund einer genetischen Veranlagung oder infolge einer Gehörwegsinfektion taub wird, ist dies nicht unbedingt ein Drama. Die Katze kompensiert den Verlust ihres Gehörs recht gut, sollte aber nicht mehr nach draußen gelassen werden, da sie Gefahren, wie zum Beispiel ein näherkommendes Fahrzeug, möglicherweise nicht mehr rechtzeitig erkennen kann.


Geruchssinn

Gerüche spielen im Katzenalltag ein wichtige Rolle. In der Katzennase befinden sich ca. doppelt so viele Riechzellen wie bei uns. Gerüche helfen Katzen, Gegenstände und Lebewesen zu beurteilen, von daher wird alles neue erst mal ausgiebig beschnüffelt. Eine ganz große Rolle spielt der Geruchssinn auch beim Fressen: Was unangenehm riecht, wird nicht gefressen (weswegen Erkältungen so gefährlich werden können, da Katzen in der Regel keine Nahrung aufnehmen, wenn sie diese nicht riechen können).

Die Angewohnheit des Menschen, alles mit für unsere Nasen angenehmen Düften zu überlagern (Parfüms, Raumspray, Deos usw.), kann sich für eine Katze als recht lästig erweisen. Eine meiner Katzen ekelt sich regelrecht vor Pfefferminzgeruch, weswegen man ihr besser nicht zu nahe kommt, wenn man sich z. B. gerade die Zähne geputzt hat. Eine ebensolche Reaktion rufen auch Zitrusfrüchte bei vielen Katzen hervor. Die darin enthaltenen ätherischen Öle scheinen ihnen regelrecht in den Augen zu brennen. Im übrigen gilt es bei ätherischen Ölen zu bedenken, dass diese lebensbedrohliche allergische Reaktionen bei Katzen auslösen können (anaphylaktischer Schock) - also seien Sie lieber vorsichtig mit Duftölen (siehe auch Gefahren im Haushalt)!


Geschmackssinn

Was den Geschmackssinn betrifft, so sind Katzen sehr wählerisch. Was gut riecht, wird gerne gefressen, am liebsten Nahrung mit einem hohen Bestandteil an Stickstoff und Aminosäuren, also Fleisch. Was ihr gut schmeckt wird im Gehirn lebenslang gespeichert, so dass die Katze ihr Lieblingsfutter immer wieder erkennen wird.

Untersuchungen haben im übrigen ergeben, dass sich auf der Katzenzunge keine Geschmacksknospen für "süß" befinden, weswegen die (ungesunde) Vorliebe mancher Katzen für Süßes noch einen anderen (bisher wohl unbekannten) Grund haben muss.


Jacobson-Organ

Haben Sie schon einmal beobachtet, dass Ihre Katze mit halb geöffnetem Mäulchen dasitzt und hoch konzentriert dreinschaut? Nun, dann haben Sie sie wahrscheinlich beim sogenannten Flehmen beobachtet. Für diese Sinneswahrnehmung, die zwischen Schmecken und Riechen liegt, benutzt die Katze das Jacobson-Organ, welches in einer Kammer im Mundhöhlendach liegt. Besonders interessante Gerüche (etwa in der Paarungszeit) werden so registriert, eingeordnet und im Gehirn gespeichert.


Visuelle Wahrnehmung

Die meisten Menschen sind von den Augen der Katze fasziniert. Viele glauben gar, dass Katzen in der Lage sind, auch noch bei völliger Dunkelheit zu sehen, doch ist dies nicht der Fall. In der Dämmerung jedoch, der bevorzugten Jagdzeit der Katze, funktionieren ihre Augen perfekt. Die bei Tageslicht schmalen Pupillen weiten sich und werden kreisrund, um eine maximale Menge an Licht einzulassen, und eine reflektierende Zellschicht auf der Netzhaut fungiert zudem als Restlichtverstärker.

Das räumliche Sehen ist bei Katzen um einiges besser als beim Menschen oder auch beim Hund; die Katze ist in der Lage, auch Dinge zu sehen, die sich seitlich von ihr befinden.

Das Farbsehen der Katze ist weniger gut ausgeprägt. Grün, Blau und Gelb kann die Katze zwar wahrnehmen, jedoch kaum Rot. Außerdem wird ihr Bild am Rande leicht verschwommen, während die "Schärfe" genau auf den Mittelpunkt gerichtet ist:


Visuelle Wahrnehmung des Menschen

Mögliche visuelle Wahrnehmung der Katze


Blinde Katzen finden sich übrigens erstaunlich gut zurecht; sie verlassen sich weitestgehend auf ihre übrigen Sinne. Allerdings sollten auch sie nicht mehr nach draußen gelassen werden.


Tastsinn

Der Tastsinn spielt eine wichtige Rolle im Katzenleben, sowohl beim Aufspüren von Beutetieren als auch beim Orten sich nähernder Gefahren. Die auffallendsten Tastorgane sind sicherlich die langen Schnurrhaare (Vibrissen) an den Wangen der Katze, jedoch befinden sich noch weitere Tasthaare seitlich am Kopf, über den Augen und an den Vorderpfoten. Auf diese Weise gelingt es der Katze, sich auch in völliger Dunkelheit zu bewegen. Mit Hilfe dieser Sensoren spürt die Katze Luftströmungen, feinste Temperaturschwankungen und Vibrationen im Boden. Man vermutet hierin den Grund dafür, dass Katzen in der Lage sind, Naturkatastrophen wie z. B. Erdbeben "vorherzusehen".